Pressespiegel
Doch ist die Politik ein Zuckerschlecken?
Peter Kaiser, der Sympathieträger aus Krefeld, ist seit 2005 Abgeordneter des Landtags Nordrhein-Westfalen. Wir wollten wissen, wie sich sein Alltag verändert hat und warum Politik für ihn genauso unwiderstehlich geworden ist wie für unsereiner die Schokotorte.
Vorgestellt von Katja Hilpert
Fangen wir doch gleich mal mit den Vorzügen an, die einem Landtagsabgeordneten geboten werden: ein tolles Bürogebäude, ArbeitenmitBlickaufdenRhein,geregelte Arbeitszeiten und eine solide finanzielle Grundausstattung. Hört sich im ersten Moment doch wirklich gut an. Dafür kann man die Konditorschürze schon mal an die Wand hängen, den Wecker auf 7.30 Uhr stellen, morgens in aller Ruhe sein Bündel schnüren und sich dann auf den Weg in die Landeshauptstadt machen. Doch ganz so einfach ist es nicht, wer hätte das auch gedacht!?
Einen interessanten Einblick haben wir in das Werken und Schafen im Landtag nehmen dürfen. In gewohnter entspannter LockerheitempfängtunsHerrKaiserkurz nach 14.00 Uhr im großzügig gestalteten Foyer. Er kommt gerade von einer Hafendebatte, und es bleibt uns nur ein relativ kurzes Zeitfenster von knapp 11/2 Stunden, bevor schon wieder die nächste Sitzung seine Anwesenheit fordert. Neugierig auf die Raumgestaltungen wie wir sind, zeigt er uns sogleich das Herzstück des Landtags, den Plenarsaal. Der war allerdings gerade verhüllt, da Reparaturarbeiten im Deckenbereich oberhalb der Fraktionsecke der SPD durchzuführen waren, wie uns der CDUler mit einem verschmitzten Lächeln verriet. Obwohl die Politik ein ernstes Geschäft ist, wird Humor auch nicht hinter den dicken Landtagsmauern ausgegrenzt, lässt sich vernehmen. Politiker sind schließlich auch nur Menschen.
Doch wie kam Herr Kaiser eigentlich zur Politik?
Er ist Quereinsteiger. Seinen Weg zur CDU schlug er 1990 ein. Animiert hat ihn seinerzeit ein Interview von Otto Graf Lambsdorf, der zwar der FDP angehörte, sinngemäß aber die für ihn prägenden Worte sagte: „Jeder der meckert, sollte besser Mitgestalten und dies kann man in einer bürgerlichen Partei!“ Es dauerte nicht lange, bis Peter Kaiser im Stadtrat von Krefeld saß. Politik hat nicht nur sein Interesse geweckt, er hat sogar Spaß an seiner neuen Arbeit. Es motiviert ihn, Land und Leute kennen zu lernen und dabei auch hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Da er aus dem Bereich Handwerk stammt und mit dem Lebensmittelrecht von Berufswegen zu tun hatte war, nahm er nach seinem Einzug in den Landtag schnell seinen Platz im Ausschuss für Verbraucherschutz ein.
„Politik ist täglich was Neues“ Sitzungen und Debatten, das sind die häufigsten und mitunter zeitintensivsten Inhaustätigkeiten, die so ein Abgeordneter zu erledigen hat. Als Mitglied einer Partei gehören sogenannte Fraktionssitzungen, in denen parteiinterne Absprachen getrofen werden, zum Pflichtprogramm. Als ordentliches Mitglied im Wirtschaftsausschuss für den Bereich Umwelt, Natur und Landwirtschaft hat er sich für die Verbraucher zum Beispiel im „Gammelfleischskandal“ eingesetzt, als es um die Kontrollen der Kühlhäuser ging und diese mitunter schnell leer geräumt werden mussten. Oft sind es jedoch weniger spektakuläre Fälle, die sein Mitwirken und Handeln prägen. Doch auch die nicht so medienwirksamen Aktivitäten füllen seinen Arbeitsalltag mit Leben. Schließlich kommt er als selbständiger Konditormeister aus der Branche und weiß um die Bedürfnisse der Mittelständler. Aber auch die Nähe
zu Krefeld nutzt Herr Kaiser, um gerade die Interessen seiner Heimatstadt auf Landesebene zu vertreten.Von der Politik ist man leider gewohnt, dass Entscheidungen langezudiskutierenunddebattierensind. Macht so was nicht mürbe? Nicht Herrn Kaiser. Er ist die Ruhe in Person und hat eine Engelsgeduld. Gleichwohl – so der Politiker: „Die Politik lebt aus Kompromissen!“ Nun ja, welche Kompromisse ist der Fraktionsabgeordnete eingegangen? Auf den drei Ebenen (ppb) lässt sich dazu kurz und knapp sagen: privat – hier hat er den größten Kompromiss eingehen müssen. Zeitverlust für Familie ist sein Wehmutstropfen. Politisch – da gab es keine Kompromisse, er empfindet es noch heute als großes Glück und Ehre, seine Stadt im Landtag repräsentieren zu dürfen. Mit seinen neuen Aufgaben im Landtag will er wachsen. Und beruflich? Da hatte er abermals Glück. Denn seine Ehefrau teilt die handwerkliche Leidenschaft und ist ebenfalls Konditormeisterin. So hat sie in seiner Abwesenheit die Leitung der heimatlichen Konditorei übernommen. Gleichwohl lässt es sich Herr Kaiser nicht nehmen, zu Feiertagen oder besonderen Anlässen die Backkunst in zünftiger Tradition auszuüben und seine Frau auch in der Backstube zu unterstützen.
WennernichtalsInteressenvertretervon Krefeld landesweit aktiv ist, treibt es ihn in seiner Freizeit in die Natur. Er wandert gern am Niederrhein oder im Sauerland. Viele Erkundungstouren in seiner Heimat unternimmt er mit dem Rad. Er liebt Brauchtumsfeste und die zünftige Schweinshaxe mit Sauerkraut, Püree und dazueinGlasBier–einAltbier.Undwenn man ihn nach seinen Schwächen fragt, fällt ihm nur ein, dass er meist Kugelschreiber und Regenschirme stehen oder liegen lässt. Aber auch das erzählt uns Peter Kaiser mit einem Augenzwinkern.
Quelle: TOP-Magazin
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